Scheiße, bin ich geil!

Scheiße, bin ich geil!

YouTube wächst. Und wie alles, was wächst, verändert es sich. Veränderung ist nichts negatives. Nur durch sie haben wir die Möglichkeit uns stetig zu verbessern.

Doch zurzeit habe ich das Gefühl, YouTube besteht nur aus Menschen, die rumsitzen und sich sagen: „Scheiße man, wir können tun, was wir wollen und die Leute feiern es. Scheiße, bin ich geil.“
Man freut sich über den eigenen Erfolg und fühlt sich irgendwie geil. Die einst so erfolgreichen Formate verschwinden mehr und mehr, werden totgeschwiegen. Lieber zeigt man sein Leben. Denn das ist geil und man will es so gern teilen. Man setzt auf Quantität statt Qualität. Kreative Aspekte gibt es teilweise nur noch beim Setzen von Jumpcuts.

Aber ist das der Anspruch eines Künstlers? Sich geil zu fühlen? Ist es nicht die stetige Weiterentwicklung und die Schaffung kreativer Inhalte, auf die man stolz sein sollte?

Und mal abgesehen vom Künstler, ist das der Anspruch an sich selbst? Sich in der eigenen Geilheit zu sonnen? Wenn das dem erreichten Lebensziel entspricht, ist YouTube vielleicht doch keine Plattform kreativ Schaffender. Haben denn nicht alle großen YouTuber angeblich begonnen, um sich zu entfalten? Weil sie Spaß an der Videoproduktion hatten und in der Plattform eine Möglichkeit sahen, ihre Werke zu teilen? Ist mit der Entfaltung nun die Befriedigung der eigenen Aufmerksamkeitssucht gemeint?

YouTube hält seine jungen Künstler gefangen in einer Spirale aus Anerkennung durch die Konditionierung auf positive Bestätigung. Wenn im Privatleben schon kein Verlass mehr auf Menschen ist, weil alle nur Interesse an deinem Ruhm haben und niemand mehr die Person sieht, die du wirklich bist (oder warst?), wenn dein Alltag geprägt ist vom Misstrauen, ist die Bestätigung Fremder dann tatsächlich der einzige Weg?

Es ist schwierig sich von der eigenen Geilheit zu lösen, vom Erfolg, von der Sucht nach Klicks und Likes. Doch manchmal wählt man vielleicht auch die falsche Einheit, um das eigene Glück zu messen. Denn wie kann man stolz auf sein Leben sein, wenn man nichts zu liefern hat, außer der eigenen Geilheit und sich lediglich an wachsenden Klicks begeistert, aber seine eigentliche Passion vergisst?

Bild von Jonathan Kos-Read

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