Priviligiert

Priviligiert

Heute bin ich aufgewacht und habe mich noch einmal umgedreht. Ich war noch müde und mein Bett so bequem. Irgendwann bin ich dann aber doch aufgestanden und zur Toilette getorkelt. Ganz selbstverständlich habe ich die Wasserspülung benutzt und mir die Zähne geputzt – manchmal dusche ich sogar.
Danach habe ich mir mein Frühstück eingepackt und bin zur Arbeit gefahren. Natürlich hatte ich keine Lust. Aber natürlich bin ich trotzdem gefahren, denn ich muss Geld verdienen, um meine Wohnung zu bezahlen. Eine Wohnung mit Heizung für kalte Tage, fließend Wasser, Strom und einem weichen Bett. Meine eigenen vier Wände, in die ich mich zurückziehen kann, wenn mich die Welt da draußen nervt, und die mich vor Regen, Sturm und auch Sonne schützen.
Vor der Tür steht mein Auto, in das ich mich setzen und fahren kann, wohin auch immer ich will. Ins Kino, ins Freibad, sogar ans Meer, wenn ich Lust habe. Oder ganz simpel einkaufen.
Den Nachmittag habe ich frei. Das funktioniert, weil ich vormittags genug verdient habe. Vielleicht mache ich diesen Nachmittag einfach mal nichts. Vielleicht koche ich etwas oder setze mich vor den Fernseher. Gucke Nachrichten und lasse mich über alles, was in der Welt passiert, informieren. Oder ich surfe einfach im Internet und lese, was ich will, wann ich will.
Oder ich treffe meine Freunde. Einfach spontan irgendwo in der Stadt. Vielleicht im Park, der im Sommer angenehmen Schatten spendet. Vielleicht gehen wir auch einfach essen und unterhalten uns bis spät abends. Danach fahre ich in meine Wohnung, gehe duschen und lege mich erneut in mein weiches Bett.
Und während ich die Augen schließe, denke ich:

Ich bin priviligiert.

 

Bild von Summerstorm.

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