Neuseeland #6 – Nelson bis Wellington

Neuseeland #6 – Nelson bis Wellington

Die rund zwei Wochen auf der Südinsel neigen sich dem Ende zu. Die letzten Nächte verbringen wir in Nelson, bevor uns die große Fähre über die Meerenge nach Wellington bringt. Vom eindrucksvollen Naturschauspiel des Südens in die karge Großstadt-Tristesse. Von Nelson bis Wellington – von Süden nach Norden.

Nelson

Nach der Fahrt über die nördliche Südinsel führt uns unser Weg ins beschauliche Nelson, dem man die Kolonialzeit noch sehr deutlich ansieht. Kleine Häuschen reihen sich aneinander und werden durch die hängenden Blümenkübel  geschmückt, die – automatisch gegossen – so manchen unachtsamen Fußgänger beträufeln können. Unser Hotel ist ein kleines B&B, ein niedliches weißes Verandahäuschen im englischen Stil. Riesige Betten mit hunderten Kissen machen die Hellhörigkeit des Gebäudes wieder wett. Auch die frischen Erdbeeren zum Frühstück lassen diese Unterkunft in einem besseren Licht dastehen als so einige große Hotels zuvor.

Nelson ist unter anderem die Heimat für Jens Hansen – den Schmied des Einen Ringes. Ganze 25 Exemplare fertigte der gute Mann an, bevor ein Ring Peter Jackson genügte. Für den Dreh der Trilogie selbst, wurde der Ring in zahlreichen größen geschmiedet, um auf kleine Hobbitfinger ebenso zu passen wie auf Saurons manifestierte Gestalt in der Rückblende Elronds. Im Laden des Goldschmieds, der leider vor der Premiere der Filme verstarb, kann man heute den Originalring bestaunen. Wie Jens Hansen so schließen auch die kleinen Läden des Örtchens frühzeitig und lassen uns so noch genügend Zeit, um in der Sonne zu sitzen. Empfehlenswert zum Essen ist dabei das Bacco, in dem es nicht nur leckeres Essen und dazu passenden guten Wein sondern auch den fröhlichsten Kellner der Welt gibt.

Abel Tasman Nationalpark

Nicht weit entfernt von Nelson findet man eine Autostunde nördlich an der Küste entlang den Abel Tasman National Park. Ein relativ großes Gebiet mit vielen Wanderrouten und auch einigen Plätzen zum Campen. Im Gegensatz zum deutschen Vorschriftendschungel scheint in Neuseeland das Campen überall erlaubt zu sein – außer ein Schild weist explizit daraufhin, dass es an diesem Ort nicht gestattet ist.

Aber auch ohne Campingvan bietet der Nationalpark einige nette Ecken, die schnell zu Fuß erreichbar sind. Der erste Weg führt über eine kleine Brücke, die bei Ebbe den Blick auf den weiten Sandgrund freilässt. Noch weit vor dem Parkplatz vor dem Eingang findest sich ein ähnliches Feld, auf dem Schiffe auf dem Trockenen liegen. Direkt neben der Brücke haben sich diverse Reisende mit kleinen Liebesbotschaften aus Steinen verewigt, die bei Flut durch das flache Wasser schimmern.

Der weiße Sandstrand und die brennende Sonne lassen endgültig Urlaubsfeeling aufkommen und bei einem Strandspaziergang war nun auch das Füße-im-Meer-Must-Do eines jeden Urlaubs abgehakt. Möwengekreische und Wellengerausche inklusive lädt dieser freie Tag in Nelson definitiv zu einem entspannten Tag mit den Füßen im Sand ein. Für eigenhändig entdecke Urlaubsandenken lassen sich hier auch Muscheln sammeln – die allerdings so aussehen wie überall auf der Welt.

Interislander Fähre

Der nächste Morgen sollte unser letzter auf der Südinsel sein. Direkt nach dem Frühstück (mit frischen Erdbeeren) ging es auf der Scenic Route an der Küste entlang nach Picton. Auf dem Weg passiert man die Pelorus Bridge, die den Pelorus River überspannt. In diesem Fluss wurde die Szene gedreht, als die Zwerge dem Elbenkönig Thranduil entkommen und in Fässern den Fluss hinabschwimmen, während sie von Orks gejagt werden.

Nach diesem kurzen Stop geht es weiter nach Picton, dem Städtchen, in dem die Fähre nach Wellington ablegt. Malerisch schön (sicher auch bedingt durch das herrliche Wetter) liegen die weißen Häuschen Pictons am Ufer des Fjords. Sich leicht wiegende Palmen bieten sowohl den blendend weißen Möwen als auch jenen vielen Menschen Schatten, die auf die Abfahrt der Fähre warten. Die eigentlichen Einwohner des Ortes lassen sich wahrscheinlich an zwei, drei Händen abzählen. Belebt wird das verträumte Fjordstädtchen lediglich bei Ein- und Ausfahrt der Fähren, die hier ablegen und ihren Weg zur Nordinsel schwimmen.

Glücklicherweise für unsere Mägen hatten wir einen ruhigen Tag erwischt, an dem die Höhe der Wellen auf dem offenen Meer auf lediglich einen  Meter geschätzt wurde. Viel offenes Meer sieht man auf der Fahrt mit der Fähre jedoch nicht, da ein Großteil der Route zunächst durch die langen Fjorde führt, die den Wellengang des Meeres stark minimieren. Bei stürmischem Wetter soll die Überfahrt jedoch kein Spaß sein – wie der freundliche Europcar-Mitarbeiter mir später mitteilte. Neben einigen Cafes und Restaurants bietet das Schiff sogar ein eigenes Kino und natürlich WiFi für jedermann. Nach spätestens zwei Stunden hatte jedoch wohl auch der letzte Mitfahrer dies bemerkt und die Verbindung wurde deutlich schlechter. Genug Zeitvertreib bietet sich jedoch auch ohne schwimmendes Internet für die dreistündige Fahrt.

Wellington

Wer Natur will, soll sich die Südinsel anschauen, sagen sie. Die Nordinsel ist nicht so schön, sagen sie. Im Norden leben mehr Menschen, aber sehenswerter ist der Süden, sagen sie. Recht haben sie. Das wird mir sofort bewusst, als die Fähre in Wellington anlegt. Vom sonnigen Palmenstädtchen Picton in die windigen Hochhausgassen Wellingtons – ein Kulturschock. Großstädte durchaus gewöhnt war der Kontrast zu zwei Wochen ruhiger Beschaulichkeit auf der Südinsel zur Hauptstadt des Landes einfach absurd. Mit nur 200.000 Einwohnern ist Wellington nach deutschen Maßstäben wohl eher eine kleine Großstadt. Mit dunklen, dreckigen Gassen zwischen Wolkenkratzern passt diese Einwohnerzahl deshalb kaum zum Layout der Stadt.

Abseits von ihrem Äußeren hält Wellington mehrere Weltrekorde. Der Rekord für die windigste Stadt der Welt ist stellenweise deutlich spürbar. Bei den maximal gemessenen 248 km/h Windgeschwindigkeit blieb wohl kein Flipflop am Fuß. Außerdem hält Wellington den Rekord der meisten Restaurants pro Einwohner. So kommen auf jede Örtlichkeit zur Nahrungsaufnahme 10,7 Einwohner – was einige Lokale der Stadt ziemlich leer aussehen lassen würden. Aber zum Glück gibt es ja die Touristen.

In Anbetracht dessen, dass die Herr der Ringe-Trilogie den Tourismus in Neuseeland um 700% gesteigert hat (jaja, kein Schreibfehler: siebenhundert Prozent!!), sind dies vermutlich zu großen Teilen Filmtouristen. Aufgrund der vielen Filmstudios und Pre- sowie Postproduktion Studios und Workshops wird Wellington liebevoll auch Wellywood genannt – nun teilweise vielleicht weniger liebevoll, da das dem Hollywood-Schild nachempfundene Zeichen am Mount Victoria von Einheimischen eingerissen wurde und seitdem nur noch ein Wellington am Berghang zu sehen ist. Ein Zeichen für die Zweigeteiltheit der Neuseeländer zu dem großen Filmepos.

Neuseeland – ein zweigeteiltes Land mit vielen Kontrasten und Differenzen. Das wird mir an keinem Tag der Reise so klar wie durch diese Überfahrt und den Wechsel von der Süd- auf die Nordinsel.

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