Jeder hat Träume

Jeder hat Träume

Jeder Mensch hat Träume. Manche sind tief in uns vergraben. Andere sind einfach nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber viele Träume können inspirierend sein und auch zum Nachdenken anregen. Menschen verändern sich, wenn sie von ihren Träumen erzählen. Sie reden schneller, ihre Augen leuchten, ihr Rücken wird gerader, die Hände fliegen beim Sprechen. Es bringt mich zum Lächeln, zu sehen, wie andere von ihren Träumen sprechen. Und weil es so schön ist, von Träumen zu hören, möchte ich euch drei meiner Träume vorstellen. Träume, die mich schon seit etlichen Jahren begleiten und deren Umsetzung auch gar nicht so unwahrscheinlich ist. Irgendwann.

Traum 1 – Der Wanderritt durch die schottischen Highlands

Mit 16 schleppten meine Eltern mich nach Schottland. Mein Vater mochte Whisky und mein Onkel hatte ihnen erzählt, dass es dort sehr schön sei. Mein Onkel, der mir zu meinem 16ten Geburtstag ein Dreimonats-Abo von World of Warcraft geschenkt hatte, riet uns in ein Land zu fahren, in dem es außer Whisky nur grüne Hügel und Schafe gab. Kaum zu glauben. Mit pubertärer Gewissheit wusste ich schon bei der Buchung dieser Reise, dass sie ganz sicher furchtbar werden würde. Schottland – regnete es dort nicht immer? Ich erinnere mich, dass sich alles in mir dagegen sträubte dorthin zu fahren.

Und ich erinnere mich daran, wie ich mit einem aufgesetzten Gesicht vorwurfsvoller Missmut meinen Eltern zu verstehen gab, dass ich nicht dort sein wollte, während ich insgeheim ganz verzaubert war von der schlichten Wildheit und Freiheit, die überall in der Luft lagen. Von Menschen, welche Glück in Dingen fanden, die in unserem heutigen Alltag schon versumpft sind. Von dem allgegenwärtigen Blöken der Schafe, der ständigen Brise des Windes, der rauen Küste mit ihren wütenden Wellen und den alten Burgen, die von einer Zeit sprachen, als Freiheit diesem Land alles bedeutete. Und natürlich vom Geruch fermentierter Maische in den unzähligen Whiskydestillerien, den ich heute noch in der Nase habe.

Da ist nun also dieses Land, welches irgendwie ein Abbild meines Inneren darstellt. Und das nicht, weil der Whiskyanteil so hoch ist, sondern weil es ehrlich ist. Ehrlich, frei und in seiner Wildheit irgendwie inspirierend. Damit passt es perfekt zu einem weiteren Teil meines Lebens, der mich seit über 15 Jahren begleitet. Die Liebe zu Pferden und zum Reiten.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das erste Mal auf einem Pferd saß und wie genau ich reiten lernte. Es muss irgendwann in den frühen 90er Jahren gewesen sein, ungefähr zur gleichen Zeit als ich laufen lernte, als mein Großonkel in einem 10-Seelen-Dorf mich zum ersten Mal auf ein Pferd hob und mich für den Rest meines Lebens prägte. Manchmal bereue ich es, denn ich messe diesem Sport die Ausprägung des nicht unerheblichen Umfangs meiner Oberschenkel bei, aber nur bis ich das nächste Mal wieder in den Sattel steige.

Aus der Liebe zu diesem Land und den Pferden erwuchs einer meiner Träume. Irgendwann, wenn ich Zeit und Geld hatte, würde ich einen Wanderritt durch die schottischen Highlands machen. Jenem Teil von Schottland, der am wildesten und ungezügelsten ist. So wie mein Pferd es sein würde, wenn wir über die endlosen Weiten schottischer Hügelketten galoppieren würden. Tagsüber vorbei an sprudelnden kleinen Bächlein und Herden zottiger Hochland-Rinder in der Farbe frisch geschmolzener Toffee-Bonbons und nachts unter dem endlosen Sternenhimmel einer von der Lichtverseuchung städtischer Gemeinden verschonten Hochebene, begleitet vom vielleicht nur eingebildeten Geheul ferner Wölfe. Irgendwann.

Was Pferde uns lehren

Es gibt ein altes Cowboy-Sprichwort, dass natürlich zum Reiten passt, aber auch zu jeder anderen Situation im Leben. Es erzählt nicht nur davon, bereit zu sein, sondern auch sich seiner Aufgaben und Ziele bewusst zu werden und zu wissen, was man eigentlich will. Nicht blind darauf los zu eifern und sich ins Gefecht zu stürzen, sondern überlegt zu handeln.

If you get in the saddle, be ready for the ride.

Aber neben all der Verantwortung beim Reiten, die man für ein anderes Lebewesen übernimmt, ist es auch ein Stück Geschichte. Eine Reise in die Vergangenheit, als Pferde zum Alltag der Menschen gehörten und es vermochten, die Entwicklung unserer Art zu bereichern. Sie lehren viel, diese Wesen, die aus vollem Galopp stoppen (mit Glück ohne dich obendrauf), um in aller Ruhe den Schweif zu heben und den Boden mit verdautem Gras zu bereichern, nur um daraufhin sofort wieder loszustürmen. Sie sagen:

Nimm dir Zeit für die wichtigen Dinge, aber wenn du kannst – Sei frei, sei wild.

 

Bild von John McSporran

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